Politische Entwicklung der HundeVO

Politische Entwicklung der Hundeverordnung
Was ist Politik ?
Politik [griech.-frz.], auf die Durchsetzung bestimmter Ziele insbes. im staatl. Bereich und auf die Gestaltung des öffentl. Lebens gerichtetes Verhalten von Individuen, Gruppen, Organisationen, Parteien, Klassen, Parlamenten und Regierungen. Aus der Interessenbestimmtheit ergibt sich der Kampfcharakter der Politik.

Pitbull Terrier, Bull Terrier und Staffordshire Terrier sind nicht erst nach den Vorkommnissen in Hamburg, bei der der kleine Junge von den Pitbull-Terriern eines türkischen Mitbürgers aus der Drogenszene getötet wurde, mit einem furchtbaren Ruf behaftet.
Die Schuldzuweisung unserer Politiker trifft natürlich nicht den seit langem beim Hamburger Ordnungsamt bekannten Hundehalter, sondern ausschließlich die Hunde.
Damit schlägt man mehrere Fliegen mit einer Klappe: Man erspart sich den Aufwand, Beißunfälle sachkundig zu analysieren, hat im Hund sofort einen wehrlosen Schuldigen und kann die Mitschuld des untätigen Ordnungsamtes hinter markigen Sprüchen und Vergeltungsforderungen verstecken.
Die Frage, warum die Hamburger Behörden den seit langen amtsbekannten Tierquäler und Straftäter nicht mit der gleichen Intensität verfolgt haben wie jeden x-beliebigen Verkehrssünder, wollen die verantwortlichen Politiker nicht beantworten.
Die entsprechenden Gesetze und Verordnungen haben schon immer existiert. Die Behauptung, man bräuchte eine neue Hundeverordnung, um solche tragischen Zwischenfälle verhindern zu können, ist reine Volksverdummung.
Die Strafgesetze der Bundesrepublik Deutschland gaben schon immer ausreichende Handhabe, straffällig gewordene Hundehalter wirkungsvoll und dauerhaft aus dem Verkehr zu ziehen.
Beispiel:
Tierschutzgesetz mit der Änderung von 1998, HSOG, Hunde-VO Hessen von 1997.

Geschichtliche Entwicklung des Hundes
Der Hund ist ein Carnivore – Fleischfresser dessen Ursprung vor 55 Millionen Jahren über die Miaciden, (Raubtiere mit charakteristischem Gebiß), zu den ersten Caniden (Hundeartigen) vor circa 25 bis 35 Millionen Jahren, zu suchen ist.
Der direkte Vorfahre des Haushundes der Wolf (Canis Lupus) ist auf 800 000 Jahre zurückzuverfolgen.
Der Beweis des Wolfs als alleiniger Ahne unseres Hundes ist heute genetisch gesichert.
Die Domestizierung zum Haushund geht gesichert auf 15.000 Jahre zurück, man vermutet nach gentechnischer Schätzung sogar bis 135000 Jahre.
Entstanden sind die Haushunde in verschiedenen Kulturen Asiens und Europas.
Seit ca. 5000 Jahren kann man von einer Spezializierung der Hunderassensprechen die weitestgeend den Typen in ihrer heutigen Form entsprechen.

Römische Klassifizierung:
Haushunde
Schäferhunde
Jagdhunde
Kampf-oder Kriegshunde
Spürhunde
Windhunde

Um 1850 bekann man mit der gezielten Rassezucht auf Basis der Mendelschen Gesetze..
1.Hundeausstellungen fanden 1859 in England und 1863 in Frankreich statt. Die erste internationale Ausstellung 1865 in England.
1878 gründete man in Deutschland den Verein zur Veredelung der Hunderassen.


"Kampfhunde" - Was ist das ?
Es gibt wenig Themen, die so emotional, und mit so wenig Sachverstand diskutiert werden, wie der Bereich der sogenannten "Kampfhunde".
Kampfhunde sind Hunde, die vom Menschen zu Kampfzwecken gezüchtet und eingesetzt worden sind. So lautet jedenfalls die Definition der Brockhaus Enzyklopädie. Hunde sind jedoch nicht von Natur aus böse, auch der Kampfhund nicht - böse und aggressiv werden sie erst durch den Menschen.

Was eigentlich ist also ein sogenannter "Kampfhund"?
Vielleicht ein Hund jedweder Rasse, der zum Kampf eingesetzt wird oder wurde? - Wenn ja - gegen wen?
Manche meinen, es handle sich um Hunde, die gegen andere Hunde und Tiere kämpfen - dann wäre ein Dackel, der gegen den Fuchs im Bau kämpft, auch ein Kampfhund.
Wieder andere - darunter auch viele Politiker meinen, es seien dies Hunderassen, die gegen Menschen kämpfen.
Bereits im alten China wurden die Vierbeiner im 7. Jahrhundert v. Chr. zu Kampfmaschinen trainiert und wie auch bei den Römern als Kampfhunde in den Arenen eingesetzt.
Nun - dann wären auch die Gebrauchshunderassen - und damit der Schäferhund allen voran - eher "Kampfhunde", denn sie werden tatsächlich von Polizei und Militär als Schutzhunde eingesetzt.
Oder sind "Kampfhunde" Hunde, die Unfälle verursacht haben?
Dann aber wieder wären es einzelne Hunde jedweder Rasse oder auch Mischlinge, die sich als bissig erwiesen haben; hier jedoch wäre analog zur nordrhein-westfälischen Gefahrenhundeverordnung der Begriff "gefährlicher Hund" naheliegender.

Der Hund ist auch als ein Kulturgut zu betrachten - als einen Spiegel des Menschen und seiner Geschichte, und es wäre ein Jammer, wenn diese Hunde, auf deren unverbrauchtes, kaum degeneriertes genetisches Potential man immer wieder zurückgreifen kann, von Ignoranten, denen jede Sachkenntnis, und auch die Bereitschaft, diese zu erwerben, fehlt, tatsächlich ausgerottet werden würden, denn eine Auslöschung ist irreversibel.

Häufig verwendet wird dieser irreführende Begriff Kampfhund im Zusammenhang mit molossoiden und bullterrierartigen Rassen. Die Molosser leiten sich, wie man heute vermutet, vom großrahmigen Tibetwolf über die Tibetdogge ab.
Bereits auf dem Fries des Tempels des assyrischen Herrschers Assurbanipal in Ninive kann man, heute im British Museum, London, Krieger sehen, die großrahmige Hunde dieser Art mit sich führen..
Alexander der Große brachte Tibetdoggen von seinem Indienfeldzug mit und begründete in Molossis die Mastiffzucht.
Diese schweren, großrahmigen Hunde sollten besonders durch ihr Aussehen beeindrucken. Mit der Zeit verbreiteten sich diese Hunde über den Mittelmeerraum, später nach England und auch nach Südamerika und vermischten sich dort mit einheimischen Rassen.
Nachweise des Einsatzes als Kriegshunde von molloserartigen Hunden finden sich schon in den Berichten des Königs von Babylon 2100 v. Christus.
Um 600 v.Chr. wurden Hunde im Kampf der Lydier gegen die Kimmerer ebenso eingesetzt, wie bei der Eroberung Ägyptens durch die Perser.
In der Auseinandersetzung um Frankriech unterstützte Heinrich VIII Spaniens Carl V mit einem Heer von 400 Kriegern mit 400 Mastiffs.
1799 setzte Napoleon in der Schlacht bei Aboukir eine große Anzahl Kampfhunde ein.
In der Regierungszeit Elisabeth I. wurde der irische Aufstand mit 800 Kampfhunden niedergeschlagen.
Im 15.Jahrhundert unterstützten diese Hunde die Spanier bei der Eroberung Amerikas.
Die Aufgabe dieser Hunde bestand in erster Linie darin Panik und Schrecken durch ihr Äußeres zu verbreiten. Zu dem fanden sie als Meldehunde Verwendung.
Im 1.Weltkrieg setzte Deutschland 30.000 und Frankreich 20.000 Hunde ein. Im 2.Weltkrieg fanden 50.000 Hunde im Einsatz den Tod.
Im Algerienkrieg 1953 wurden noch 7500 Hunde eingesetzt.
Hier wurden jedoch bereits die modernen Gebrauchshunderassen als Sanitäts-, Munitions-, Minensuch-, Wach- und Panzerhunde verwendet.
Auch bei der Jagd insbesondere auf Großwild wurden molosserartige Hunde zur Hatz verwandt. Die größte Anzahl an Hatzrüden setzte Heinrich Julius von Braunschweig 1592 ein, der mit 6000 Saupackern jagte.
Der Kampf eines Hundes gegen 2 Löwen wurde schon auf dem Schild Achilles abgebildet.
Alexander der Große fand unter anderem sein Interesse an den Tibetdoggen bei einer Vorführung eines Kampfes zwischen Hund und Löwe.
Schaukämpfe zwischen Hund und anderen Tieren waren in Europa vor allem im 14.Jahrhundert populär.
Ein Bild von Stradamus von 1578 zeigt den Einsatz von Hunden beim Stierkampf.
Der erste geschichtliche Nachweis der Bullenkämpfe führt bis 1200 n.Chr. zurück.
William Earl Warren von Stamford fand Gefallen an der Jagd zweier Metzgerhunde auf einen Bullen und rief die ersten Bullenkämpfe ins Leben die jährlich 6 Wochen vor Weihnachten stattfanden.
Aus dieser Leidenschaft entstanden die alten englischen Bulldogs.

Die zweite Gruppe, welche ebenfalls mit diesem Begriff assoziiert wird, sind die Hunde, die man als "Bullterrierartige" bezeichnen kann. Diese Hunde sind später entstanden und besitzen teilweise molossoides Blut und teilweise Terrierblut, was diese Hunde agiler und arbeitsfreudiger macht. Die Reizschwelle ist zumeist mittel, und die Arbeitsfreude hoch, somit ist eine Eignung zur Ausbildung in allen möglichen Sparten, vom Schutzhund bis zum Rettungshund, durchaus hervorzuheben.

Die Rattenplage im England des 19.Jahrhunderts führte zum Kampf des Hundes gegen die Ratte in der Pit. Dies stellte eine Domäne der Terrier dar.
Folgende Weltrekorde wurden geführt:
20.08.1861 25 Ratten in 1 Minute 28 Sekunden
29.07.1862 60 Ratten in 2 Minuten 42 Sekunden
01.05.1862 100 Ratten in 5 Minuten 28 Sekunden
10.06.1862 200 Ratten in 14 Minuten 37 Sekunden
01.05.1862 1000 Ratten in weniger als 100 Minuten

Reine Hundekämpfe wurden in England bereits seit dem 18.Jahrhundert durchgeführt standen aber zunächst im Hintergrund des Bullbaitings.
Wurden anfangs noch überwiegend Bulldogs eingesetzt entstand später der Bull und Terrier (Vorfahre des Bullterriers). Diese Hunde brachten vom Bulldog die bedingungslose Kampfbereitschaft, Schmerzunempfindlichkeit und vom Terrier die Schnelligkeit und eine neue Kampftechnik.
Die Blütezeit dieses Sports erlebte England zwischen 1816 und 1860.
Offiziell wurden Hundekämpfe 1835 verboten – erste Versuche ein Verbot zu erreichen führte 1777 nicht zu Erfolg.
In den USA brach das Kampffieber 1817 aus.
In der Folgezeit entstand hier der Pitbullterrier.
1878 wurde ein offizielles Verbot erlassen.
Die Blütezeit der Hundekämpfe erlebte die USA in den vierziger Jahren.
1976 blieb ein offizielles Hearing im amerikanischen Kongreß zu diesem Thema ohne Ergebnis.

Hier möchte ich betonen, dass die Aggression anderen Hunden gegenüber in hohem Maß den Hunden antrainiert wurde, also nicht grundsätzlich genetisch bedingt ist. Die Tiere sind sehr menschenfreundlich und das Maß innerartlicher Aggression geht über das normale Maß terrierartiger Hunde gemeinhin nicht hinaus. Ausnahmen in Einzelfällen können nicht einer bestimmten Rasse zugeordnet werden.
Durch die gegebene Verwandtschaft mit den Molossern wäre es nicht korrekt, diese Hunde direkt der Gruppe "Terrier" zuzuschlagen. Das Temperament der Hunde liegt auch zumeist unter dem eines typischen Terriers, wie z.B. dem des Deutschen Jagdterriers. Typische Vertreter dieser Hunde sind z.B. der Englische Bull Terrier, der Staffordshire Bull Terrier, welcher ebenfalls aus England kommt, sowie American Staffordshire Terrier und American Pit Bull Terrier aus der Ursprungsgegend Nordamerika. Letztere beide wurden lange als eine Rasse geführt.

Die Hysterie der Bevölkerung wird einesteils durch einseitige Medienberichte geschürt, andererseits kann man diese Hysterie auch mit der Entfremdung des Menschen von der Natur zusätzlich begründen. Der durchschnittliche Städter weiß überhaupt nicht mehr, wie man sich einem Tier gegenüber verhält, geschweige denn, welche Bedürfnisse es hat. Dieses Unwissen baut irrationale Ängste auf, welche kaum mehr abzubauen sind - zumindest nicht in der breiten Masse der Bevölkerung.
Das schlimmste, womit Besitzer dieser Rassen, abgesehen von Verbotsbestimmungen, konfrontiert werden, sind Vorurteile. Kaum jemand hatte je Kontakt zu diesen seltenen Rassen, aber jeder glaubt zu wissen, dass diese Hunde kein normales Hundeverhalten zeigen.
Diese Rassen haben eine mittlere bis teils sehr hohe Reizschwelle, was heißt, dass sehr viel passieren muss, bis der Hund reagiert. Von unkontrollierten Beissern kann also nicht die Rede sein.
Dass die als zu den beisskräftigsten Hunden zu zählenden Mastini eine Tonne Beisskraft haben sollen, stammt vielleicht aus dem Millieu der Zuhälter oder Stammtisch-Angeber. Sie haben höchstens 350 Kilopond pro Quadratzentimeter Beissdruck. Ein Schäferhund ca. 180 kp. Zum Vergleich eine Hyäne als weitaus kräftigster „Beisser" unter den Hunde-Verwandten: 700 kp.
Dass diese Hunde keinen anderen "Kiefermechanismus", wegen welchem sie nicht mehr auslassen können, besitzen, brauche ich Ihnen als Tiermedizinern nicht zu erklären - und ebenfalls nicht das von einer Frauenzeitschrift in die Welt gesetzte Gerücht, Pitbulls hätten 82 (!) Zähne.
Natürlich kann ein kräftigerer Hund im Zweifelsfall mehr Schaden anrichten, als ein kleinerer Hund, aber ein nicht diesen Rassen zugeschlagener großer Hund, beispielsweise eine Dogge oder ein Boxer können genauso beißen, ganz abgesehen von der Tatsache, dass große Hunde zumeist ruhiger sind und deshalb weniger Unfälle verursachen. Sie erkennen, wichtig ist nicht die Kraft, mit der ein Hund beißen könnte, sondern die Tatsache, ob er es tut, oder nicht.
Der Nachkomme jeden Hundes ist ein Hund, sowie auch der Nachkomme eines jeden zum Kämpfen mißbrauchten Hundes wiederum nur ein Hund ist.
Kampfhund von Geburt kann ein Hund ebensowenig sein, wie ein Mensch allein durch seine Abstammung zum Verbrecher werden kann.
Im dritten Reich paßte es den Machthabern bestens in den Kram, mißliebigen Personen oder ganzen Volksgruppen abstammungsbedingte Wesenseigenschaften zu unterstellen.
Heute geht es nicht um den Menschen sondern um Hunde. Dennoch ist die Argumentation völlig unverändert geblieben. Weseneigenschaften ergeben sich - legt man das aktuelle Argumentationsniveau der deutschen Politik zugrunde - allein durch die Abstammung eines Lebewesens. Ergo sollen alle Mitglieder einer Rasse keine Individuen, sondern "Wesen" mit unveränderlichen und darüber hinaus völlig identischen Eigenschaften sein.
All jenen, die an dieser Stelle meinen, Mensch und Hund könne man nicht vergleichen, sei gesagt: Die biologischen Prinzipien des Erbganges unterscheiden sich bei beiden Arten nicht im geringsten. Was modellhaft auf den Hund paßt, ist auch für den Menschen und jedes andere Säugetier gültig.
Das Rassismus, solange er sich "nur" gegen Tiere richtet, offenbar gesellschaftsfähig ist, erscheint gefährlich. Jeder sollte wissen, daß sich derart inhumane Denkansätze nie auf einen Bereich der Gesellschaft beschränken werden. Jeder Versuch, nicht das Individuum zu beurteilen, sondern rassen- und / oder gruppenspezifische Aburteilungen vorzunehmen, bereitet erfahrungsgemäß den Boden für faschistoide Gedanken und Lösungen.

Medieneinfluß
Bis 1979 war das Verständnis zwischen Menschen und Hunden mit nur wenig Problemen belastet. In diesem Jahr brachte das Magazin "GEO" einen reisserischen Artikel über Hundekämpfe in Amerika.
Im Sommerloch 1980 wärmte die Bildzeitung dieses Thema auflagenverstärkt auf, der Rest der Boulevardpresse folgt, dann Tageszeitungen und Fernsehen. Der Mensch des 20. Jahrhunderts, übersättigt durch immer grösseren Medieneinfluss, braucht immer stärkeren Nervenkitzel (siehe tägliche Filme mit Mord und Totschlag im Fernsehen). Die Rechnung der Medien ging auf - Hundebisse, rund um den Erdball, wurden immer mehr publiziert.
1992 war es dann soweit! Der damalige Staatsminister der Inneren des Freistaates Bayern vermutete, wie im Text der Verordnung wechselnd aufgeführt unwiderleglich und unwiderlegbar, dass diese alten Rassen besonders gefährlich wären.
Die von einem Gebrauchshundeführer ohne jede eigene Erfahrung mit diesen Rassen erstellte Namensliste zeigt zwar dem Fachmann sofort diese Unwissenheit, aber Politik wird, wie man uns allen traurigerweise immer wieder vor Augen führt, sehr oft ohne jedes Fachwissen und Bedenken der Folgen gemacht.
Es kam, schließlich was durch die Manipulierbarkeit des Menschen kommen musste. Politiker aller Parteien entdeckten das Kampfhundethema als willkommene Ablenkung vom eigenen Misserfolg in wichtigen Dingen. Hier konnte man Profil gewinnen und besonders in Wahlkämpfen "etwas für die Bürger tun".
Die Politiker zeigten in diesen Tagen ihre Verantwortung für Volk und Vaterland, indem sie lauthals Zucht und Haltungsverbote fordern. Die Sensationsjournalisten der Boulevardpresse und einschlägig bekannte TV Magazine heizen die Stimmung zusätzlich an. Wochenlang überbot sich der deutschen TV Journalismus - Stern TV, Brisant, Akte2000 und Explosiv (um nur einige zu nennen) gegenseitig in einer besonders blutrünstigen Form des Tendenzjournalismus, indem Hunde bestimmter Rasse wider besseren Wissens zu notorischen Massenmördern erklärt werden.
Man benutzte die zuerst geschürten Ängste, ohne sich über die schweren Folgen für Mensch und Tier klar zu sein.
Ausbaden müssen die Hetze der TV Journaille und die Haßtiraden der Springer Presse vor allem die Hundehalter, die sich noch nie etwas zu Schulden kommen ließen und ihre Hunde sachgerecht und verantwortungsbewußt führen.
Die Besitzer dieser Rassen wurden regelrecht diskriminiert, mit der Szene in einen Topf geworfen. Wer mit seinem Hund spazieren geht, wird oft übel beschimpft.
Die meisten Landesregierungen und Kommunen taten sich mit den unsinnigsten Erklärungen hervor, zeigten deutlich, dass sie selbst nicht dachten, sondern kritiklos die bayerische Verordnung abschrieben, Nicht nur, das die stupide Aufzählung nicht existierender Rassen wie z.B. "Bandog" - englische Bezeichnung für Kettenhund - übernommen wurde.
Man bekämpft den Tosa Inu, eine Rasse, die in Japan nur als Ringer kämpfen durfte, aber niemals beissen und mit nur einem Exemplar in England und zehn in Deutschland praktisch gar nicht existiert.
Versuchtes Haltungsverbot für die sogenannten Kampfhunde führte in vielen Bundesländern zu überfüllten Tierheimen, unendlichem Leid für Mensch und Tier, bis hin zur im Tierschutzgesetz verbotenen "Tötung eines gesunden Wirbeltieres"!
Auch in der Polizei führte die Hysterie zu bis dahin undenkbaren Grosseinsätzen gegen einzelne Tiere.
„Die Bestie ist der Mensch“
Unter diesem einprägsamen Titel brachte es vor Jahren Immo Vogel, Chefreporter des Südwestfunks, in einer eindrucksvollen Fernsehsendung auf den Punkt. Missbrauch von Hunden finden wir nur bei einer extremen Minderheit, und leider haben hier Ordnungsämter und Polizei bei der Lösung des Problems kläglich versagt.
Die steigende Kriminalitätsrate hat nichts - gar nichts - mit Hundebesitz zu tun!
Kriminelle werden immer ihre Werkzeuge finden - trotz verschärftem Waffengesetz! Rottet man Hunderassen, die sie favorisieren, aus, werden sie neue finden oder ihre Hunde selbst "züchten".
Gegen eine solche Entwicklung helfen nur Hundehaltungsverbot, konkrete Zuverlässigkeitsüberprüfungen, Polizeikontrollen vor Ort. Die seriösen Hundehalter lehnen es zurecht ab, wegen kriminellen Missbrauchs oder grob fahrlässigen Umgangs mit Hunden einer extrem kleinen Minderheit in Kollektivhaft genommen zu werden. Oder wird man künftig unseren Sportschützen aufgrund des Waffeneinsatzes durch Kriminelle auch ihre Waffen einziehen? Kein vernünftiger Hundehalter wird sich gegen angemessene Zuverlässigkeitskontrollen wehren, wohl aber gegen die Brandmarkung durch Medienkampagnen und falsche Verordnungen.
Die Debatte um die sogenannten "Kampfhunde" ist von Hysterie geprägt und hat mittlerweile die Züge einer modernen Hexenverbrennung angenommen. Die Fähigkeit, Sachverhalte differenziert zu betrachten und frei von Rassismus zu beurteilen, scheint nicht wenigen Politikern abhanden gekommen zu sein. Selbst der Bundesinnenminister Schily, der sich seit der Verteidigung von Mitgliedern der Baader-Meinhoff Bande viel auf sein demokratisches Verständnis zugute hält, fällt in den Chor der völkischen Beobachter harmonisch ein.
Hier sollen keine Probleme schön geredet werden, die im Zusammenhang mit der Haltung bestimmter Hunde entstehen können. Einen kleinen Prozentsatz der Hundehalter stellen Straftäter und Geltungssüchtige, die ihre Tiere dazu mißbrauchen, andere Menschen zu bedrohen, zu nötigen oder zu schädigen. Nicht die Liebe zum Tier ist hier als Motiv zur Hundehaltung anzusehen, sondern ein unbehandelter psychischer Defekt. Nach wie vor werden im Deutschland des 21. Jahrhunderts Hundekämpfe veranstaltet. Mitglieder von Jugendbanden haben sich mit Hunden verschiedenster Rassen bewaffnet, um ihr pubertäres Geltungsbedürfnis zu befriedigen. Weiterhin ist unstrittig, daß auch einige andere Zeitgenossen charakterlich nicht zur Hundehaltung geeignet sind.
Als Allheilmittel soll nun das generelle Haltungsverbot für einige Hunderassen schmackhaft gemacht werden.
Auf der Strecke bleiben die Züchter und Hundehalter, die seit langen Jahren sachkundig und verantwortungsvoll mit ihren Hunden umgehen. Die Annahme, Straftätern und Tierquälern könne man durch das simple Verbot einiger Hunderassen das Handwerk legen, zeugt von erstaunlicher Naivität. Viel erfolgversprechender erscheint, Täter persönlich zur Verantwortung zu ziehen. Zeitgenossen, die nicht über die charakterliche Eignung verfügen, einen Hund sicher zu führen und artgerecht zu halten, die an Hundekämpfen teilnehmen oder ihre Hunde auf den Angriff gegen Menschen trainieren, muß die Hundehaltung ohne Ausnahme untersagt werden. Ein Nebeneffekt dieser Regelung ist, daß nicht nur die Umwelt vor den Hunden bestimmter Personen sondern auch die Tiere selbst vor Mißbrauch geschützt werden könnten.
Der weitaus größte Teil dieser Tiere lebt völlig unauffällig als Familienhunde.
Es sind Hunde mit inniger Beziehung zum Menschen und angepaßtem Verhalten gegenüber Artgenossen. Viele seriöse Züchter legen Wert auf ausgeglichene, nervenstarke Hunde, deren Gefährdungspotential den Durchschnitt keineswegs übersteigt. Ein gut geprägter, sozialisierter und erzogener Bull Terrier stellt für die Öffentlichkeit keine größere Gefahr dar als ein ebenso aufgezogener Deutscher Schäferhund.
Die Kampfhundehysterie steigert die Hundefeindlichkeit in unserer Gesellschaft. Wenn sie siegt, werden alle Hundehalter, ausnahmslos alle Hunderassen gefährdet sein. Und dies wäre für unsere Gesellschaft, für die darin lebenden Menschen eine sehr bedrohliche Entwicklung, würde das älteste Haustier in seiner Existenz gefährden.


Rigorose Gesetze gegen Kampfhunde in Europa
Während in Deutschland seit Jahren über eine Kampfhundeverordnung gestritten wird, haben viele andere europäische Staaten schon rigoros gegen die Haltung der aggressiven Tiere durchgegriffen.
Seit ca. 10 Jahren wird die Diskussion rund um das Thema "Kampfhunde" im ganzen Raum Europa heftig geführt und Gesetze, welche die Haltung solcher Hunde einschränken oder sogar verbieten, schiessen wie Pilze aus dem Boden. Von Zucht-, Haltungs- und Importverbot bestimmter Rassen über spezielle Haltungsbewilligungen und Maulkorbobligatorium bis hin zum Leinenzwang wird alles in Betracht gezogen und zum Teil auch umgesetzt.

Im europäischen Ausland sieht es inzwischen wie folgt aus:
In Österreich aufgrund eines Urteils des Obersten Gerichtshofes nach Fachgutachten der Universität Wien - Verordnung aufgehoben.
Laut neuester Veröffentlichung aus Holland ist jetzt dort wie in Belgien und Spanien, der Pit Bull Terrier verboten.
In England dürfen Kampfhunde nur gehalten werden, wenn sie kastriert, registriert und versichert sind. Pitbull-Terrier und der japanische Tosahund ( lediglich 1 vorhandenes Exemplar) müssen Maulkörbe tragen und an der Leine geführt werden. Pitbull, Tosa Inu, Dogo Argentino und Fila Brasileiro waren bis dato in der Öffentlichkeit völlig unbekannt. Bullterrier und Staffortshire Bullterrier gehören zu den beliebtesten Familienhunderassen.
Inzwischen gibt es nach Auskunft des Innenministeriums kaum noch Kampfhunde in Großbritannien.
In Irland müssen zwölf als gefährlich erachtete Rassen in der Öffentlichkeit mit Maulkorb an kurzer Leine gehalten werden.
In Frankreich müssen die Hunde seit Anfang des Jahres sterilisiert werden. Selbst kastrierte Pitbulls unterliegen noch einer Reihe von strikten Auflagen, die ihre Haltung erschweren. Der Besitzer muss mit einer Geldbuße von 5 000 Franc (1 500 Mark) rechnen, wenn er sein Tier nicht offiziell bei den Behörden angemeldet hat. Damit sollen in spätestens zehn Jahren Kampfhunde in Frankreich ausgestorben sein.
Auch in Polen kommen auf Halter/innen von Kampfhunden schwere Zeiten zu. Insgesamt elf Hunderassen seien per Verordnung des Warschauer Innenminsteriums auf eine "schwarze Liste" gesetzt worden. Die Halter müssen bei den Behörden eine Genehmigung einholen, um die Hunde behalten zu dürfen. Am Eingang zum Grundstück müssen sie zudem deutlich darauf hinweisen, dass sich dort ein "gefährlicher Hund" aufhalte.
Ungarn hat per Gesetz die Zucht von Kampfhunden verboten. Zudem dürfen die Tiere weder ein- noch ausgeführt werden, es darf nicht mit ihnen gehandelt und Werbung für sie gemacht werden. Selbst zu Bewachungszwecken sind sie nicht zugelassen. Alle Tiere mussten kastriert werden. Zuwiderhandlungen können mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren geahndet werden.
Allerdings wurde nicht definiert, was ein Kampfhund ist. Deshalb will kein Tierarzt entscheiden, welcher Hund entsprechend der Verordnung behandelt werden soll.
In Schweden sind besonders aggressive Rassen seit 1997, in Dänemark schon seit 1991 verboten.
In Norwegen dürfen seit 1991 Pitbull-Terrier, Tosa, der südamerikanische Fila Brasileiro und der Dogo Argentino nicht mehr importiert werden.
In Dänemark wurden zudem alle Kampfhunde sterilisiert. Nachkommen mussten getötet werden.
In Italien sollen Zucht, Verkauf und Import der Tiere ebenfalls verboten werden. Besitzer sollen Kampfhunde auf der Präfektur anmelden und versichern. Verstöße sollen ebenfalls mit bis zu drei Jahren Haft bestraft werden.

Beißstatistiken
Unter 17 untersuchten Industrieländern (mit Kanada, USA und Japan) liegt Deutschland an vorletzter Stelle, was die Hundedichte pro Einwohner betrifft: statistisch nur 5,5 pro 100 Einwohner. Nur Japan hat mit 2,2 noch weniger.
Hundefreundlicher sind unter anderem USA (21,6), Frankreich (16,9), Australien (15,2), Kanada (14,1), Dänemark (13,3), Belgien (11,5), Grossbritannien (10,0), Schweden (9,6), Niederlande (8,3), Italien (7,8), Österreich (7,0), Norwegen (6,8) und die Schweiz (6,2).
Die geringste Hundedichte (ich übernehme hier mal die Statistikersprache) innerhalb Deutschlands, und dabei in den westlichen Bundesländern, befindet sich in Baden-Württemberg. In den östlichen Bundesländern liegt die Hundedichte um ein Drittel niedriger als im Westen. Erfasst wurden in dieser Statistik nur Städte (Quelle: Deutscher Städtetag).
Einige Städte wie Zweibrücken, Pirmasens, Viersen und Berlin gehören seit Jahren zu den hundereichsten, dagegen schwäbische wie Stuttgart, Sindelfingen, Ulm, Esslingen, Tübingen, das badische Freiburg und vor allem ostdeutsche Städte zu den hundefeindlichsten.

Zahlen des Deutschen Städtetages
Ohne Zweifel kommt der Umfrage - die einen Berichtszeitraum von fünf Jahren (1991 - 1995) umfaßt - repräsentativer Charakter zu, weil sich an ihr bundesweit 249 Städte beteiligten.
Die Untersuchung kommt zunächst zu dem erfreulichen Ergebnis, daß sich die Zahl der Vorfälle mit Hunden mehr als halbiert hat.
Während zuvor die monatliche Anzahl der "Hundefälle" in Ordnungsamt noch durchschnittlich 3 (alte Länder) bzw. 5 (neue Länder) betrug, sind nunmehr nur noch 1,5 Fälle pro Monat und Stadt zu verzeichnen. (Interessant ist, daß die Zahl der Zwischenfälle mit dem Einwohnerzahlen zunimmt.)
Dem Städtetag ist beizupflichten, daß der durch manche Medien suggerierte Eindruck, Hunde seien zu einem hohen Anteil gefährlich, unzutreffend ist. Eine deutliche Entspannung zeigt ebenfalls die Analyse des Zahlenmaterials zu den Körperverletzungsdelikten.

Bereits anläßlich der Umfrage von 1991 wurde entschieden darauf hingewiesen, daß sich die immer wieder behauptete erhöhte Gefährlichkeit einzelner sog. "Kampfhunde"rassen wissenschaftlich nicht begründen läßt. Bereits damals lagen die weit verbreiteten Schäferhunde und Mischlinge - wie übrigens auch bei ähnlichen, späteren Untersuchungen - an der Spitze. Die nunmehr vorgelegten Zahlen bestätigen dieses Bild, wobei allerdings ein direkter Vergleich mit der vorherigen Untersuchung - wegen des unterschiedlichen Auswertungssystems - nicht möglich ist. Die neuen Zahlen entlasten allerdings klar die Molosserassen, Die Angaben zu den "Bullrassen" sind nicht berücksichtigungsfähig, da sie gravierende Mängel enthalten.
Abgesehen davon, daß - wie vom Städtetag zu recht bemerkt - die städtischen Bediensteten in den Ordnungsämtern grundsätzlich keine kynologischen Fachleute sind und m. E. gerade im Bereich der "Bullrassen" ungenaue Angaben häufig sein dürften (so ist in Deutschland etwa der Pitbull als Rasse ja nicht anerkannt), kränkt die Auswertung an einem erheblichen Erhebungsfehler: Der Städtetag hat nämlich die Rassen "Staffordshire Bullterrier" und "American Staffordshire Terrier" fälschlicherweise als eine Rasse erfaßt und ausgewertet.

Die Erhebung des Deutschen Städtetags von 1991-1995 weist folgende Beissrangliste auf (insgesamt 7.216 Vorfälle):
Mischlinge (inklusive Schäferhund-Mischlinge mit 159) mit 2.376 Fällen,
Deutsche Schäferhunde (möglicherweise mit belgischen) mit 1.956,
Rottweiler mit 542,
Pitbull mit 320,
Dobermänner mit 223,
Bullterrier mit 169
Dackel und „Terrier" mit je 160,
Deutschen Doggen mit 119,
Boxer mit 96, „Collie" mit 73,
Der rare Mastino Napoletano (bei den Kommunen als „gefährlich" geführt) ist mit 21 Fällen so selten vertreten wie der Kleine Münsterländer und der Spitz. Häufiger bissen nach diesen Angaben jedoch die als „lieb" propagierten Retriever: Labrador und Golden zusammen 53 mal.

Hundebisse und ihre Folgen als Ergebnis einer rechtsmedizinischen Studie
Über die Häufigkeit und Schwere von Hundebissen wird in den letzten Jahren vor allem aus den USA berichtet, wobei dort mit 500000 bis 4,5 Millionen Bißfällen pro Jahr, darunter 15-20 tödlich ausgehenden bei einer Hunde-Population von ca. 1 Hund auf 5 Einwohnern gerechnet wird. Im Gegensatz zu den USA fehlen in Deutschland Literatur-Angaben nahezu völlig, die eine auch nur ungefähre Abschätzung der Vorfälle von Hundebiß-Ereignissen und insbesondere Todesfällen zuließen.

Ergebnisse einer Erhebung der verschiedenen Rechtmedizinischen Instituten aus den letzten 10 Jahren:
Antworten trafen aus insgesamt 28 Instituten, einschließlich des eigenen, ein. 13 davon berichteten über tödliche Ereignisse, bei denen es sich um zusammen 20 Fälle handelte, hiervon stammten 5 Fälle allerdings nicht allesamt aus dem gewünschten Zeitraum, wurden wegen vorhandener Daten aber dennoch in die Übersicht aufgenommen.
Unter den 20 Fällen befanden sich 1 Neugeborenes, 3 Säuglinge, 4 Kleinkinder und 2 Kinder im Schulalter. Von den 10 Erwachsenen waren sieben 60 Jahre oder älter.
Hinsichtlich der Todesursache konnten definitive Aussagen in 18 Fällen erhalten werden, in 2 Fällen bestand entweder Unklarheit über den zum Tode führenden Befund oder es war die Kausalität des Bisses zweifelhaft.
Ein Schädel-Hirn-Trauma wurde bei 5 Opfern angegeben, davon einmal mit nachfolgender Verblutung und zweimal mit Entwicklung eines unter der Hirnhaut liegenden Hämatoms, jeweils in einem Fall durch Sturz und im anderen durch Schütteln des später Getöteten durch den Hund entstanden. In einem Fall wurde gutachtlich die Attacke des eigenen Hundes als auslösender Kausalfaktor für den letztlichen Tod des Opfers infolge Speisebreiaspiration und Herzversagen in Verbindung mit einer starken Herz- und Lungenvorschädigung angesehen (Mainz).


Presse-Recherche bei der Deutschen Presse-Agentur (dpa):
Bei der Deutschen Presse-Agentur Hamburg wurde eine Recherche über Pressemeldungen bezüglich Hundebissen in von dpa erfaßten Zeitungen für den Zeitraum 1995-1999 in Auftrag gegeben.
Es wurden dabei Daten über insgesamt 64 Vorfälle erlangt, bei denen 98 Personen betroffen waren, hierunter fielen 7 Todesfälle. In einem Fall handelte es sich um eine summarische Meldung über Bisse eines tollwutverdächtigen streunenden Hundes mit 12 Betroffenen.
61 Artikel enthielten Rasse-Bezeichnungen der verursachenden Tiere.
Unter den Nennungen waren 21-mal als "Pitbull" subsummierte Hunde bzw. Bullterrier vertreten (=34,4 %), neunmal wurde von "Kampfhunden" gesprochen, in 10 Fällen waren Rottweiler aufgefallen, in 4 die Rasse Dobermann, während Schäferhunde, ohne genauere Differenzierung, 8 Vorfälle verursacht hatten. Mischlingshunde waren in 4 Fällen vertreten, Tiere anderer Rassen in 5 weiteren Fällen.
Zwei dieser Fälle waren Hunden der Rasse American Staffordshire-Terrier zuzurechnen, in einem weiteren war von zwei "Pitbulls" die Rede und in zwei Fällen hatten Schäferhunde tödlich gebissen, in je einem Fall ein Rottweiler bzw. ein Labrador-Mischling.

Hundebisse mit tödlichen Folgen stellen in der rechtsmedizinischen Praxis eine selten anzutreffende Thematik dar.

Registrierte tödliche Beissvorfälle in Deutschland ab 1968
(Stand: März 2001)
1. 18. 11. 1968 (Landau / Pfalz): 14 Tage altes Baby von Schäferhund totgebissen
2. 18. 03. 1971 (Wunsiedel /Ofr.): Vierjähriger von Schäferhund totgebissen
3. 02 .01. 1972 (Frankfurt / M.): Schäferhunde bissen 73-jährige tot
4. 23. 08. 1972 (o. O.): Doggen töteten 6-jährigen Knaben
5. 25. 04. 1973 (Waiblingen): Der 10-jährige Schüler St. F. von zweiSchäferhunden getötet
6. 23. 03. 1974 (Saarland): Deutsche Dogge tötet 6-jähriges Nachbarskind
7. 30. 09. 1974 (Herne): 12-jähriger K.-D. K. von Schäferhunden getötet
8. 16. 10. 1974 (Dinslaken): Der 8-jährige T. B. von Schäferhündin getötet
9. [etwa 1. Halbjahr 1976] (Stadt im Schwarzwald): 69-jährige geistig behinderte Frau von zwei Schäferhunden getötet
10. [Zeitraum wie vor; o. O.]: 49-jähriger Alkoholiker von Dackel-Mischling getötet
11. Sylvester 1976/77 (Rödental b. Coburg): Ein Leonberger und eine Schäferhündin töteten einen 6-jährigen Jungen.
12. (Januar 1977) ( Karlsruhe): 5-jähriger Junge von zwei Schäferhunden getötet
13. 05. 04. 1977 (Berlin-Frohnau): Deutsche Dogge tötete den 3-jährigen F. K.
14. 13. 08. 1977 (Delmenhorst): Schäferhund oder entlaufener Wolf? 7-jähr. Junge getötet
15. 10. 09. 1979 (Rothenburg o.d.T.): Schäferhund zerfleischte 82-jährige
16. (1982) (Berlin): Zwei Dobermannhunde töteten 6-jährigen Jungen
17. (1982) (Recklinghausen): Zwei Schäferhunde töteten 5-jährigen Jungen und verletzten abwehrende Tante
18. (März 1983) (Raum Düsseldorf): 34-jährige Frau von ihrem Rauhhaardackel und Schäferhund-Spitz-Mischling getötet
19. (1983) (München): Sibirischer Husky springt durch ein Fenster und tötet 10 Tage alten Säugling
20. (August 1984) (Straubing): Zwei streunende Schäferhundrüden töteten 79-jährigen Pilzsammler
21. 16. 01. 1985 (Hannover): Alte Frau von Windhunden zerfleischt
22. 17. 01. 1985 (Nürnberg): Schäferhundrüde tötet junge Frau
23. 28. 01. 1985 (Gießen): 10-jähriges Mädchen beim Eisschlittern von zwei Schäferhunden getötet
24. 08. 02. 1985 (Straubing): Schäferhunde töteten Rentner und verletzen zwei Personen
25. 18. 05. 1985 (Flensburg): 11-jährige totgebissen von 2 Schäferhunden
26. 02. 08. 1985 (Peulendorf b. Bamberg): Jagdhund biß dreijähriges Mädchen tot
27. 06. 08. 1985 (Berlin): Biß Dogge 48-jährigen zu Tode? - Besitzer behauptet: Biß stammt vom Schäferhund
28. 01. 01. 1986 (Langelsheim-Bredelen b. Goslar): Rentner zerfleischt - Polizei schoß nicht
29. 06. 02. 1986 (Frankfurt M.): Zwei Deutsche Doggen bissen 61-jähriger Arztfrau die Kehle durch
30. 01. 02. 1988 (Gammelsdorf / Bayern): Schäferhund biß alte Dame tot - Auf dem Weg zum Friedhof
31. 05. 11. 1988 (Buchen / Odenwald): Pitbulls bissen Kopf ab - Hunde fielen über Züchter her
32. (November 1989) (Buchholz / Nordheide): Ein in der Familie lebender Mischlingshund tötet, Säugling durch Abbeißen des Kopfes
33. 20. 03. 1989 (Karlsruhe): Tod eines 4-jährigen Jungen durch 3 Schäferhunde, die mit ihren Besitzern vom Hundeplatz kamen
34. 19. 05. 1989 (Ofterdingen): Tod eines 7-jährigen Jungen durch zahlreiche Bisse eines Schäferhundes
35. (September 1990) (Berlin-Falkensee):11-jähriger Bernhardiner tötet seine Besitzerin, bei der er bereits 10 Jahre lebte
36. (Oktober 1990) (Lkrs. Rottal-Inn): Rentnerin wird von ihren drei Boxern getötet
37. 11. 07. 1993 (Bissendorf / Hannover): Dogge fügt Mädchen tödliche Bißwunden zu
38. 27. 07. 1994 (Bad Dürkheim): Taxi-Unternehmer vom Schäferhund tödlich verletzt
39. 03. 11. 1994 (Halberstadt): Ein betrunkener Hundebesitzer wurde von seinem Schäferhund totgebissen
40. (27. Juni 1995) (Frankfurt / M.):Einschläferung umstritten. Tod durch Kampfhundebisse: Ermittelungen gegen den Halter
41. 08. 04. 1996 (Arnsberg): Rottweiler beißen Fünfjährigen tot - Tiere bewachten Bordell
42. 10. 06. 1996 (Berlin-Charlottenburg): Vom Schäferhund umgerannte 86-jährige Frau erlag ihren Verletzungen
43. 10. 06. 1996 (Mörfelden - Waldorf): Kampfhund biß 53-jährige Frau zu Tode
44. 26. 06. 1996 (Frankfurt / M.):Kampfhund verletzte 86-jährige Frau so schwer, daß diese wenig später im Krankenhaus verstarb
45. 23. 07. 1996 (Drosendorf b. Bamberg): Kind durch Schäferhund getötet (Kind war 16 Monate alt")
46. 15. 02. 1997 (Zwickau): Ein Schäferhund hat am Freitag in Zwickau einen sieben Tage alten Säugling totgebissen
47. 28. 04. 1998 [Dreetz in Mecklenburg-Vorpommern oder Bützow] Theresa (6) von Rottweilern zerfleischt
48. 11. 05. 1998 (Milow, Krs. Uckermark):Hundehalterin von eigenen Pitbulls getötet - Sie wollte ein Kind beschützen
49. 14. 02. 1999 (Stralsund und Mechelen in Belgien): Aggressive Rottweiler töten zwei Kinder
50. 02. 02. 2000 (Frankfurt / M. ): Freispruch für Hundehalter: Ein Hundehalter (22) in Frankfurt/M. wurde vom Vorwurfe freigesprochen, den Tod einer Frau (51) fahrlässig verschuldet zu haben. Grund: Zur Tatzeit gab es in der Nachbarschaft sechs Rottweiler, und keiner weiß, welcher Hund die Frau gebissen hat?".
51. 04.03. 2000 (Gladbeck): Hundeangriff - Bissiger Rottweiler tötet 86-jährige Rentnerin
52. 02. 05. 2000 (Untergruppenbach): Ein Labrador reißt einem 24-jährigen die Halsschlagader auf – der Mann verblutet.

Nach einer Meldung aus der Versicherungswirtschaft sollen sich jährlich ca. 30000 Hundebißverletzungen in der Bundesrepublik Deutschland ereignen. Hierbei handelt es sich aber offenkundig nur um solche Fälle, die den Versicherungen bekannt werden, die Gesamtzahl dürfte weit höher liegen.

Grundsätzlich muß angesichts der biologischen Herkunft des Hundes und seines trotz großer morphologischer Variabilität recht uniformen Verhaltensrepertoires in den zahlreichen Rassen bei jedem Tier mit Bissen gerechnet werden , von denen ein Großteil als Angstbisse angesehen werden . Maßgebend für das individuelle Aggressionsverhalten ist hierbei allerdings nicht vornehmlich die Rasse, sondern eine Reihe von endogenen und exogenen Faktoren, wie etwa Alter, sozialer Status im "Rudel" (Familie), Sozialisation und vor allem Erziehung durch den/die Besitzer .

Die erhobenen Angaben aus der Befragung und der Presse-Recherche bestätigten die aus der Literatur bekannte bevorzugte Erleiden tödlicher Hundebisse von älteren Menschen und Kindern, insbesondere Säuglingen.

Zu den heute im Rahmen der öffentlichen Diskussion über Gefahren durch Hundehaltung besonders kontrovers erörterten Fragen zählt die nach den Faktoren aggressiven Hundeverhaltens wobei die genannten Hunde-Verordnungen vielfach im wesentlichen auf die Rasse des Tieres als einfach zu bestimmendem Parameter abheben. Betrachtet man die verantwortlichen Rassen, so dominieren eindeutig einige wenige unter den Nennungen der Fragebogenaktion und Zeitungs-Erhebung.
Da von den 20 Todesfällen der Rechtsmedizin 2 auch von der Presse registriert worden waren, können insgesamt 25 tödliche Ereignisse übersehen werden, bei denen Schäferhunde, ohne genaue Rasse-Bezeichnung, in 32 %, Rottweiler in 24 %, Pit Bulls bzw. American Staffordshire-Terrier in 12 % und Vertreter kleiner Rassen in 16 % die Verursacher waren, während sich der Rest jeweils auf 4 % übriger großer Rassen, z.B. einen Neufundländer, verteilten.

Grundsätzlich kann die Rasse im Einzelfall jedoch nur ein Aspekt bei der Beurteilung des Aggressionspotentials eines Hundes sein. Hundebiß-Vorfälle mit ernsten Verletzungsfolgen, insbesondere bei tödlichem Ausgang, sollten, soweit möglich, von medizinischer, tierärztlicher und ethologischer Seite aufgearbeitet werden, um hieraus Ansätze zur Prävention abzuleiten .

Zusammenfassend läßt sich schlußfolgern, daß tödliche Hundebisse außerordentlich selten als gewaltsame Todesursache auftreten und in der Regel durch einfache Vorsichtsmaßnahmen vermeidbar sind.


In einem Zeitungsbericht wurden folgende Fragen gestellt:
Könnte es sein, dass in den Tiefen des Unbewussten die Entschlüsselung der genetischen Grundlagen des Menschen etwas zu tun hat mit der Bedrohung durch gefährliche Hunderassen?
Sollte im Netzwerk unserer seelischen Dispositionen eine Verbindung bestehen zwischen dem Tod eines unschuldigen Kindes, das von Bestien zerfleischt worden ist, die wir selbst durch Züchtung erzeugt haben, und den Fantasien, die um die gentechnische Manipulation unserer eigenen Natur kreisen?
Eine wilde Deutung dieses inneren Zusammenhangs könnte lauten: In beiden Fällen geht es um die Hoffnung auf Erweiterung unserer Macht - aber auch darum, dass etwas aus unserer Kontrolle gerät und wir unsere eigenen Hervorbringungen nicht mehr beherrschen. Es wäre das Frankenstein-Syndrom, dessen Kern in der Angst besteht, dass sich unsere Produkte gegen uns wenden könnten, wo wir sie doch für unsere Zwecke erzeugt haben.


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